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Bildungsauftrag Bauernhofurlaub

15. Februar 2012 Autor: Helge Siems

„Mama, gell, und das Schwein legt das Schnitzel“. Wer kennt sie nicht, die Witze darüber, dass die Kinder dächten, Kühe seien lila und die Milch sei ein synthetisches Produkt. Über beide Punkte kann man vortrefflich streiten. Natürlich gibt es lila Kühe, „das hab ich im Fernsehen gesehen“, da muss es ja ebenso stimmen wie vieles andere was womöglich auch als Wahrheit „verkauft“ wird. Und die homogenisierte Milch aus der Tüte hat nach Ansicht vieler nicht mehr viel mit dem eigentlichen Naturprodukt zu tun. So weit möchte ich aber garnicht gehen. Fakt ist: uns Menschen geht das Wissen um natürliche Zusammenhänge verloren. Unabhängig davon, ob wir auf dem Land oder in der Stadt wohnen.

Das Schwein legt das Schnitzel von Ulrike Klaus

Hier kann Bauernhofurlaub mit einem Bildungsauftrag ansetzen. In diese Richtung wird auf vielen Höfen auch mit politischer Unterstützung gearbeitet. Es gibt Qualifikationen zum Thema Bauernhofpädagogik, Förderung für landwirtschaftliche Demonstrationsbetriebe, Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Schulen und regelmäßige Tage des offenen Hofes.

Ein wichtiges Motiv für Bauernhofurlaub ist die Suche nach Authentizität. Dieser Punkt sollte es wert sein, genauer betrachtet zu werden. Was genau verbirgt sich hinter diesem Wunsch? Geht es darum, bei einem Bauernhofurlaub die eigenen Vorurteile vom vermeintlich idyllischen Landleben bestätigt zu bekommen oder darum wirklich etwas neues zu lernen?

Bleiben wir bei dem Beispiel aus der Illustration (von Ulrike Klaus), die übrigens für ein Buch aus dem Kindermundverlag mit zahlreichen ähnlichen Kindersprüchen entstanden ist (an dieser Stelle herzlichen Dank für die Nutzungsrechte). Jeder weiss natürlich hoffentlich, dass Schnitzel nicht von den Schweinen gelegt werden. Aber wie kommt das Schnitzel dann auf den Teller? Es ist noch nicht lange her, da war auch das Schlachten in Deutschland ein Fest. Es war etwas besonderes ein Tier zu schlachten und dann mit Respekt möglichst viel von diesem Tier zu verwerten. Heute wird das Schlachten immer mehr bürokratisiert und in abgeschlossene, streng kontrollierte Schlachthöfe verbannt. Und die Nachfrage konzentriert sich immer mehr auf das vermeintlich „Beste“ vom Tier und es gibt zunehmend Vermarktungsschwierigkeiten für alles, was nicht Schnitzel oder Filet heißt.

Muss hier ein neues Selbstbewußtsein der Bauern entstehen? Sollen wir zurück zur Tierhaltung, in der das Schlachten nicht versteckt hinter den Mauern der Schlachterei stattfindet? Oder wäre das zu viel der Authentizität beim Bauernhofurlaub und bleiben wir lieber bei dem „Wissen“, dass das Fleisch aus der Steckdose kommt?

Nachtrag: zur Verdeutlichung weise ich darauf hin, dass ich nicht für Fleischkonsum werbe. Im Vordergrund soll das Bewußtsein stehen. Aber, lieber Vegetarier: Milch kann eine Kuh nur geben wenn sie ein Kalb bekommt und auch Leder ist kein Kunstprodukt. Und an alle Fleischesser: ein Schwein besteht nicht nur aus Filet und Schnitzel sondern aus vielen anderen Teilen.

Kostruktive Kommentare sind wie immer gern gesehen.

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