Bente Grimm vom N.I.T. aus Kiel hat 2008 im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums eine Untersuchung der Marktsituation und der Potentiale für Bauernhofurlaub / Landurlaub ausgearbeitet. Diese Studie habe ich heute erst gefunden. Den gleichen Auftrag scheint es für das ETI aus Trier gegeben zu haben. Diese Studie ist besser vernetzt und wird besser gefunden, die Studie des N.I.T. gefällt mir persönlcih deutlich besser, weil sie fundierter scheint.
Basis für die Arbeit von Bente Grimm war die Reiseanalyse 2008 und zwei Gruppendiskussionen in Köln und München mit Menschen, die in den letzten drei Jahren einen Urlaub auf dem Bauernhof gemacht haben oder dies in den nächsten Jahren planen und in einem Haushalt ohne Kinder leben. Die Hauptzielgruppe der Urlaubsbauernhöfe sind zwar Familien mit Kindern, der demographische Wandel lässt diese Zielgruppe allerdings immer kleiner werden.
Größer wird die Zahl der Haushalte mit Menschen, deren Kinder schon erwachsen sind. Deshalb ist die Meinung der wachsenden Zielgruppe der Haushalte ohne Kinder für die Ausrichtung des Angebotes für einen Urlaubsbauernhof hochinteressant. Auch wenn die Ergebnisse der Gruppendiskussion nur qualitativen Charakter haben also die Gültigkeit für die Zielgruppe nicht statistisch überprüft wurde, geben die Aussagen ein paar gute Anhaltspunkte für die strategische Ausrichtung des Angebotes Bauernhofurlaub.
Die Studie versucht Antworten auf die Frage nach den Erwartungen der Zielgruppen ohne Kinder an einen Bauernhofurlaub bzw. Landurlaub zu geben. Ein paar ausgewählte Inhalte der Studie werde ich in diesem Artikel zitieren. Als Vertiefung ist die Lektüre der kompletten Studie zu empfehlen, die kostenlos beim BMELV zum Download zur Verfügung steht.
Bei Studien dieser Art ist es wichtig sich nicht vom eigenen Eindruck leiten zu lassen. Die eigenen Erfahrungen können durchaus von den Werten der Untersuchung abweichen. Für das eigene Geschäft kann man durchaus aus den Zahlen versuchen abzuleiten wohin die Reise geht und wie das eigene Angebot strategisch ausgerichtet werden kann.
Veränderung der Gästestruktur auf dem Bauernhof und interessante neue Zielgruppen
Das Durchschnittsalter, die Bildung und das Durchschnittseinkommen der Bauernhofurlauber sind in den letzten Jahre etwas gestiegen. Interessanter ist aber noch, dass bei der Betrachtung der Lebensphasen die Gruppen der älteren Unverheirateten und der unverheirateten Senioren signifikant zugenommen haben. Insgesamt sind natürlich Familien mit (kleinen) Kindern die wichtigste Gruppen der Interessenten. Die Untersuchung zeigt aber, dass es sich auch lohnt, spezielle Angebote für andere Zielgruppen zu schaffen, die zudem mit dem demographischen Wandel größer werden.

In der nächsten Grafik werden mögliche Zielgruppen nach demographischen Faktoren dargestellt. Hier wird deutlich, dass Familien mit Kindern das größte Interesse und den größten Marktanteil haben, das Interesse bei der Zielgruppe “Ältere Erwachsene Paare” an einem Bauernhofurlaub bei geringem Marktanteil auch recht hoch ist. Möglicherweise hängt der geringe Marktanteil mit fehlenden Angeboten für diese konkrete Gästegruppe zusammen. Hier kann sich also bei der Entwicklung entsprechender Angebote deutliches Potential auftun – außerhalb der Schulferien.

Zur Betrachtung einer Zielgruppe gehört neben den demografischen Faktoren auch die Untersuchung der Urlaubsmotive, die in der folgenden Grafik dargestellt werden.

Bauernhofurlaub sind häufig das erste Mal in der Region
Bauernhofurlauber sind deutlich häufiger in einer Region als der durchschnittliche Urlauber. Das könnte darauf hindeuten, dass Bauernhofurlauber grundsätzlich gerne neue Ziele ausprobieren.

Weitere interessante Hinweise auf die mögliche Angebotsgestaltung von zukünftigem Bauernhofurlaub gibt die Auswertung des qualitativen Teils (Gruppendiskussionen mit Personen aus Haushalten ohne Kinder) der Studie, die ab Seite 68 der kostenlosen Studie zu finden sind.