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Studie Urlaub auf dem Bauernhof (ETI 2008)

25. Juni 2008 Autor: Helge Siems

Das ETI aus Trier hat im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
eine Expertise „Urlaub auf dem Bauernhof / Lande“ erarbeitet.

Eine Schwierigkeit sei die Abgrenzung des Angebots Urlaub auf dem Bauernhof/Lande schwierig sei, weil darunter die verschiedensten Urlaubsangebote fallen. Die Zahl der Ferienbauernhöfe in Deutschlands werde auf rund 25.000 geschätzt. Eine genaue Erhebung sei nicht möglich.

Angebotsprofil Urlaub auf dem Bauernhof

8300 Betrieb seien in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof organisiert. Etwas schwierig wird es dem Leser der Expertise gemacht, weil ein Großteil der Strukturdaten auf den Daten basiert, die aus einer Umfrage stammen, an der sich etwa 800 bis 1000 der organisierten Betriebe beteiligt haben. Die Autoren weisen allerdings in einem kurzen Satz auf die daraus resultierende geringe Repräsentanz der Studie hin. Allerdings seien organisierte Betrieb in der Regel „besser am Markt positioniert“. Diese Aussage wundert bei dem Auftraggeber nicht unbedingt …

Für alle, die bei der Marktpositonierung auch die Kosten betrachten, am Rande dieser Hinweis: Für den Vertrieb von Bauernhofurlaub an der Ostsee gibt es sicherlich kein besseres Preis / Leistungsverhältnis als ein Eintrag bei bauernhof-ostsee.de und dessen regelmässige Aktualisierung.

Weiter zur Studie Urlaub auf dem Bauernhof. Erstaunlich finde ich, dass zwar 61% der organisierten Betriebe einen Brötchenservice anbieten, aber nur 21% einen Einkaufservice und nur 25% einen Ab-Hof-Verkauf. Gerade Hofläden liegen doch zur Zeit voll im Trend. Die Spezialisierung auf bestimmte Zielgruppen ist insgesamt schwach ausgeprägt.

Nachfrageanalyse

Interessant ist dann wieder die Nachfrageanalyse. Laut Reiseanalyse gebe es keinen eindeutigen Trend bei der Nachfrage nach Urlaub auf dem Bauernhof oder Lande. Vielmehr gebe es zyklische Schwankungen. Ferienwohnungen auf dem Bauernhof seien bei den organisierten Betrieben im Jahr 2007 durchschnittlich mit 152 Tagen belegt gewesen. Die Steigerung zum Vorjahr fällt mit 3% relativ gering aus. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sei 2005 beim Bauernhofurlaub mit 11,5 Tagen etwas niedriger gewesen als der Durchschnitt aller Urlaubsreisen.

Gästeprofil

Bei 55% der Reisenden sind Kinder bis 13 Jahren dabei. Damit ist diese Zielgruppe auf Bauernhöfen im Vergleich zu allen Urlaubsreisen (28%) deutlich stärker vertreten. Warum auch Alleinlebende und Paare ohne Kinder einen Anteil von 55% an allen Bauernhofurlauben haben, sollte eigentlich eine Nachfrage an die Autoren beim ETI auslösen. Jedenfalls ist diese Zielgruppe auf Bauernhöfen im Vergleich zu allen Urlaubsreisen (67%) unterrepräsentiert. Wie gesagt vermute ich hier einen Widerspruch oder verstehe die Aussage im letzten Absatz auf Seite 12 des pdf-Dokuments nicht richtig. (?)

Update: Die Antwort des ETI kam schnell: „Bei 55% der Bauernhofurlaube reisen Kinder bis 13 Jahre mit. Alleinlebende und Paare ohne Kinder machen 55% aller Bauernhof- und Landurlauber aus. Die erste Ziffer bezieht sich auf die Anzahl der Urlaube/Reisen und die zweite Prozentzahl auf den Anteil an den Urlaubern/Reisenden.“

Konkurrenzanalyse

Ich gehe davon aus, dass Ferienparks für den wahren Interessenten an Bauernhofurlaub keine echte Konkurrenz sind. Das gilt dann, wenn der im nächsten Absatz betrachtete Trend zur Suche nach Authentizität wirklich vorhanden ist. Österreich sollte als direkter Konkurrent für die deutsche Ostsee weitgehend ausfallen. Hervorgehoben wird in der Studie als aufstrebender Anbieter von Bauernhofurlaub Polen. Hier sei die Qualität noch nicht auf deutschem Niveau, die Preise aber deutlich niedriger. Nach meinen Recherchen auf der ITB im März diesen Jahres gilt dies ebensfalls oder noch mehr für das Baltikum.

Touristische Trends

Hervorheben möchte ich hier den Trend zur Suche nach Authentizität. Auch wenn ich seit längerem der Ansicht bin, dass der Bauernhofurlaub, der von vielen Gästen erwartet wird, in einer künstlichen Erlebniswelt umgesetzt werden muss, ist doch die Suche nach Authentizität eine der erfolgversprechenden Abgrenzungsmöglichkeiten von Urlaubsbauernhöfen zu Ferienparks.

Wellness ist ein anderer wichtiger Trend, wobei die Anbieter von Bauernhofurlaub hier den Trend zur Suche nach Authentizität mit einbeziehen sollten. Vielleicht ist ein Molkebad in einem Holzbottich auf der Kuhwiese authentischer als eine Blockbohlensauna, die man in jedem Ferienpark findet. Günstiger umzusetzen ist das allemal. Das Beispiel ist spontan aus der Luft gegriffen … Es gäbe bei längerem Nachdenken sicherlich noch mehr und vielleicht auch bessere.

Die Betrachtung des UadB/L – Szenario 2015 spare ich mir für einen weiteren Artikel auf …

4 Reaktionen zu “Studie Urlaub auf dem Bauernhof (ETI 2008)”

  1. Authentischer Urlaub im Trend » Ostsee Tipps von Insidern

    […] Herr Rheinsberg vielleicht noch vergessen hat zu erwähnen ist der Trend zum Bauernhofurlaub. Man kann Herrn Rheinsberg das nicht zum Vorwurf machen. Wolters Reisen ist nicht gerade ein […]

  2. Potentiale für Bauernhofurlaub » Beitrag » Bauernhofurlaub Weblog

    […] ausgearbeitet. Diese Studie habe ich heute erst gefunden. Den gleichen Auftrag scheint es für das ETI aus Trier gegeben zu haben. Diese Studie ist besser vernetzt und wird besser gefunden, die Studie des N.I.T. […]

  3. Urlaub auf dem Bauernhof, wissenschaftlich betrachtet | gruuna Blog

    […] andere Untersuchung des Europäischen Tourismus Instituts beschäftigte sich vor zwei Jahren ebenfalls mit dem Urlaub auf dem Land und erbrachte auch einige interessante Resultate. Demnach ist […]

  4. Bildungsauftrag Bauernhofurlaub » Beitrag » Bauernhofurlaub Weblog

    […] wichtiges Motiv für Bauernhofurlaub ist die Suche nach Authentizität. Dieser Punkt sollte es wert sein, genauer betrachtet zu […]

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